Warum lädt mein E-Auto langsamer als angegeben?
Auf der Ladesäule steht eine hohe Leistung, aber dein Auto lädt langsamer? Wie schnell geladen wird, hängt von Säule, Ladekabel und Auto ab. Beim Schnellladen kommt der Akkustand dazu. Hier erfährst du, wie du die Ladezeit selbst abschätzt und woran es liegt, wenn es länger dauert.

Redaktion: Ladechef · Textstand 05.10.2026
Kurz gesagt
- Die Ladeleistung wird in kW angegeben, der Energieinhalt des Akkus in kWh. Vereinfacht gilt: Ladezeit in Stunden = Akkukapazität in kWh geteilt durch Ladeleistung in kW.
- Die schwächste Komponente bestimmt die Ladeleistung. Hat dein Auto nur einen 11-kW-Bordlader, lädt es auch an einer 22-kW-Säule mit höchstens 11 kW.
- Beim Schnellladen ändert sich die Ladeleistung mit dem Akkustand. Ab etwa 80 Prozent sinkt sie in der Regel deutlich.
- Laden mehrere Autos gleichzeitig an einer Schnellladesäule, wird die verfügbare Leistung auf die Ladepunkte aufgeteilt.
In diesem Ratgeber
kW und kWh: der Unterschied
Kilowatt (kW) ist eine Leistung. In kW wird angegeben, wie stark eine Ladestation lädt. Die Ladeleistung ist die elektrische Leistung, mit der die Antriebsbatterie geladen wird.
Kilowattstunde (kWh) ist eine Energiemenge. In kWh wird angegeben, wie viel Energie in die Antriebsbatterie passt.
So berechnest du die Ladezeit
Die vereinfachte Formel lautet: Ladezeit in Stunden = Akkukapazität in kWh geteilt durch Ladeleistung in kW.
Beispiel des ADAC: Ein Auto mit 50 kWh Akku braucht an einer 22-kW-Wallbox etwa 2,27 Stunden von leer bis voll. Das klappt aber nur, wenn das Auto auch mit 22 kW laden kann.
Die Formel ist nur ein Richtwert. Beim Laden geht ein Teil des Stroms verloren. Der ADAC hat an der Haushaltssteckdose Verluste zwischen 12,7 und 24,2 Prozent gemessen, an einer 11-kW-Wallbox zwischen 5,1 und 7,0 Prozent.
Außerdem bleibt die Ladeleistung nicht über den ganzen Ladevorgang gleich. Am Anfang lädt das Auto mit geringer Leistung, dann steigt sie an. Ab etwa 80 Prozent Ladezustand sinkt sie in der Regel wieder.
So viel Strom geht beim Laden verloren
- Haushaltssteckdose12,7 bis 24,2 %
- 11-kW-Wallbox5,1 bis 7,0 %
Steckdose, Wallbox und Schnelllader im Vergleich
- Haushaltssteckdose: Sie lädt mit 2,3 kW. Bis eine gängige E-Auto-Batterie voll ist, dauert es mehr als 10 Stunden.
- Der ADAC rät davon ab, an der Haushaltssteckdose zu laden. Es ist teurer und unsicherer als an der Wallbox.
- Wallbox: Einphasig schafft sie bis zu 4,6 kW, dreiphasig bis zu 22 kW. Für eine Vollladung mit 11 kW nennt der ADAC rund 5 bis 8 Stunden.
- Schnelllader: Über den CCS-Stecker sind bis zu 400 kW Ladeleistung möglich. Wie lange es dauert, hängt aber auch von der Ladekurve deines Autos ab. Der ADAC vergleicht Autos deshalb über die durchschnittliche Ladeleistung zwischen 10 und 80 Prozent Akkustand.
Höchste Ladeleistung je Ladeart
- Haushaltssteckdose2,3 kW
- Wallbox einphasig4,6 kW
- Wallbox dreiphasig22 kW
- Schnelllader über CCS-Stecker400 kW
Warum dein Auto die Leistung der Säule nicht erreicht
- Die tatsächliche Ladeleistung hängt von drei Teilen ab: Ladestation, Ladekabel und Auto. Volle Leistung gibt es nur, wenn alle drei dazu passen.
- Beim Laden mit Wechselstrom (AC) wandelt ein Bordladegerät im Auto den Strom in Gleichstrom für die Batterie um. Verbreitet ist ein 11-kW-Bordlader, 22 kW gibt es oft gegen Aufpreis.
- Besitzt dein Auto nur einen 11-kW-Bordlader, kann es die 22 kW einer Ladesäule nicht nutzen. Es lädt dann mit höchstens 11 kW.
- Der Stromanschluss hat drei Phasen. Lädt dein Auto nur über eine Phase, dauert es deutlich länger als über drei Phasen.
- Beim Schnellladen mit Gleichstrom (DC) zählt die Höchstleistung deines Autos. Kann es nur mit maximal 50 oder 100 kW laden, bringt ein 400-kW-Ladepunkt wenig.
- Säule und App nennen die maximal mögliche Leistung, nicht eine garantierte Mindestleistung.
- Auch Hersteller geben meist die Spitzenleistung an. Die erreicht ein Auto nur bei niedrigem Akkustand. Laut ADAC sagt die maximale Ladeleistung allein deshalb wenig aus.
Was die Ladeleistung begrenzt: AC und DC
- ACLaden mit Wechselstrom
- Ein Bordladegerät im Auto wandelt den Strom um
- Verbreitet ist ein 11-kW-Bordlader, 22 kW oft gegen Aufpreis
- Mit 11-kW-Bordlader an einer 22-kW-Säule: höchstens 11 kW
- Laden über eine Phase dauert deutlich länger als über drei
- DCSchnellladen mit Gleichstrom
- Es zählt die Höchstleistung deines Autos
- Kann es nur mit maximal 50 oder 100 kW laden, bringt ein 400-kW-Ladepunkt wenig
- Die Spitzenleistung erreicht es nur bei niedrigem Akkustand
Mehrere Autos an einer Säule
Die meisten Schnellladesäulen haben zwei oder mehr Ladepunkte. Laden zwei oder mehr Autos gleichzeitig, wird die verfügbare Leistung auf die Ladepunkte aufgeteilt. Jedes Auto bekommt dann weniger.
Der ADAC empfiehlt deshalb, nur ein Auto pro Ladesäule zu laden.
Warum die Leistung bei vollem Akku sinkt
Wie sich die Ladeleistung mit dem Ladezustand verändert, zeigt die Ladekurve.
Eine leere Batterie verträgt mehr Leistung als eine fast volle. Je voller die Batterie ist, desto stärker senkt das Batteriemanagement die Ladeleistung. Das schützt beim Schnellladen auch den Akku.
Ab 80 Prozent fällt die Ladekurve deutlich schneller ab. Für die restlichen 20 Prozent braucht das Auto dann vergleichsweise lange. Der ADAC empfiehlt, bei 10 bis 30 Prozent an die DC-Säule zu fahren und bei 80 Prozent weiterzufahren.
Auch die Temperatur zählt. Ideal sind in der Regel 20 bis 40 Grad Celsius. Ist die Batterie zu kalt oder zu heiß, kann die Ladeleistung teils drastisch sinken. Was das im Winter bedeutet, steht in unserem Ratgeber zur Reichweite im Winter.
Ist häufiges kurzes Nachladen schädlich?
Lithium-Ionen-Akkus, wie sie in E-Autos verbaut sind, haben keinen Memory-Effekt. Diesen Effekt kennt man von älteren Nickel-Cadmium-Akkus.
Häufiges, starkes Entladen kann der Batterie laut ADAC schaden. Häufiges Schnellladen kann sich negativ auf die Lebensdauer auswirken. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zum Akku-Schonen und zum richtigen Ladestand.
Fachquellen (10)
- ADAC: Glossar Elektromobilität von A bis Z (2026)
- ADAC: 11 oder 22 kW Wallbox
- ADAC: E-Auto schnellladen leicht gemacht (2025)
- ADAC: E-Auto Schnellladen, Ladekurven im Test (2026)
- Verbraucherzentrale: Laden, Reichweite, Kosten beim Elektroauto (2026)
- Verbraucherzentrale: Elektroauto mit eigener Ladestation laden (2025)
- ADAC: Ladeverluste beim Elektroauto (2026)
- Verbraucherzentrale: Akkus für E-Autos, Pedelecs und Co. (2026)
- ADAC: E-Auto-Akku richtig laden und schonend fahren (2026)
- Volkswagen: Akkus, Pflege und Memory-Effekt (2026)
Quellen und redaktionelle Prüfung
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