Bidirektionales Laden: Kann dein E-Auto Haus, Netz oder Geräte mit Strom versorgen?
Beim bidirektionalen Laden nimmt dein E-Auto nicht nur Strom auf, sondern gibt ihn auch wieder ab. So kann es Geräte, dein Haus oder das öffentliche Netz versorgen. Was davon schon geht, hängt von deinem Auto, der Wallbox und den Regeln in Deutschland ab.

Redaktion: Ladechef · Textstand 05.10.2026
Kurz gesagt
- Bidirektionales Laden heißt: Dein E-Auto gibt Strom wieder ab. Das kann an Geräte gehen (V2L), ans Haus (V2H) oder ins öffentliche Netz (V2G).
- Für V2H und V2G brauchst du eine bidirektionale Wallbox und ein Auto, für das der Hersteller das Entladen freigibt. Laut ADAC erlauben das bisher nur wenige Hersteller ausdrücklich.
- Am 1. Oktober 2026 hat die Bundesnetzagentur bidirektionale Ladepunkte den Stromspeichern gleichgestellt. Für zurückgespeisten Netzstrom fallen weniger Netzentgelte und Umlagen an. Die Übergangszeit für die Umsetzung läuft bis Ende September 2027.
- Für V2L brauchst du keine Wallbox. Je nach Modell nutzt du eine Steckdose im Auto oder einen Adapter am Ladeanschluss.
In diesem Ratgeber
Ladekosten-Rechner: deine Kosten pro 100 km, Monat und Jahr berechnen →
Was bidirektionales Laden bedeutet
- Beim bidirektionalen Laden fließt der Strom in beide Richtungen. Dein E-Auto lädt also nicht nur, sondern gibt Strom auch wieder ab. So wird es zum mobilen Stromspeicher.
- V2L (Vehicle-to-Load): Das Auto versorgt elektrische Geräte direkt. Das läuft über eine Steckdose im Auto oder einen Adapter am Ladeanschluss.
- V2H (Vehicle-to-Home): Das Auto hängt an der Wallbox und gibt gespeicherten Strom an das Stromnetz in deinem Haus ab.
- V2G (Vehicle-to-Grid): Das Auto speist Strom aus dem Akku ins öffentliche Stromnetz ein.
- Der Akku speichert Gleichstrom. Im Haushalt wird aber Wechselstrom genutzt. Deshalb muss der Strom umgewandelt werden, entweder im Auto oder in einer DC-Wallbox.
Drei Arten, Strom aus dem E-Auto zu nutzen
- V2LVehicle-to-Load
- Das Auto versorgt elektrische Geräte direkt
- Über eine Steckdose im Auto oder einen Adapter am Ladeanschluss
- Keine bidirektionale Wallbox nötig
- V2HVehicle-to-Home
- Das Auto gibt gespeicherten Strom an das Stromnetz in deinem Haus ab
- Braucht eine bidirektionale Wallbox
- Der Hersteller muss das Entladen freigeben
- V2GVehicle-to-Grid
- Das Auto speist Strom ins öffentliche Stromnetz ein
- Braucht eine bidirektionale Wallbox und ein intelligentes Messsystem
- Anmeldung beim Netzbetreiber nötig
Kann dein E-Auto dein Haus versorgen?
Das geht nur mit passender Technik. Du brauchst eine bidirektionale Wallbox und ein Auto, für das der Hersteller das Entladen ausdrücklich freigibt. Laut ADAC tun das bisher nur wenige Hersteller.
Es gibt zwei Arten von bidirektionalen Wallboxen. Eine DC-Wallbox wandelt den Strom selbst um und ist dadurch unabhängig vom Ladegerät im Auto. Sie ist aber teurer und größer. Eine AC-Wallbox ist kompakter, braucht aber ein bidirektionales Ladegerät im Auto. Sie sollte den Kommunikationsstandard ISO 15118-20 unterstützen.
Als Einsatz nennt Volkswagen die Kombination mit einer Solaranlage oder einem dynamischen Stromtarif. Laut ADAC kannst du Solarstrom im Auto speichern und später nutzen, zum Beispiel nachts.
Überall verfügbar ist V2H in Deutschland noch nicht. Hyundai begründet das damit, dass Normen, Wechselrichterlösungen und regulatorische Rahmenbedingungen noch im Aufbau sind. Der Hersteller testet die Technik in Pilotprojekten.
AC- oder DC-Wallbox: Was braucht dein Auto?
Hat dein Auto ein bidirektionales Ladegerät?
- dein Auto kein bidirektionales Ladegerät hatDu brauchst eine DC-Wallbox. Sie wandelt den Strom selbst um, ist aber teurer und größer.
- dein Auto ein bidirektionales Ladegerät hatEine kompaktere AC-Wallbox kommt infrage. Sie sollte ISO 15118-20 unterstützen.
Kann dein E-Auto Strom ins öffentliche Netz einspeisen?
Laut ADAC steht der Markt noch am Anfang. Es gibt erste Angebote, bei denen Autohersteller und Energieversorger zusammenarbeiten. Weitere Hersteller haben Angebote angekündigt.
Laut ADAC gelten Elektroautos seit dem 1. Januar 2026 durch eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes rechtlich als Stromspeicher. Damit entfällt die bisherige doppelte Belastung mit Netzentgelten.
Am 1. Oktober 2026 hat die Bundesnetzagentur zusätzlich die Festlegung MiSpeL beschlossen. Danach sind bidirektionale Ladepunkte den Stromspeichern gleichgestellt. Strom, der zuerst aus dem Netz kommt und später zurückgespeist wird, wird verrechnet. Dafür fallen weniger Netzentgelte und Umlagen an.
Netz- und Messstellenbetreiber haben für die Umsetzung eine Übergangszeit bis Ende September 2027. Für Haushalte mit Solaranlage bis 30 kWp gibt es eine einfachere Pauschaloption mit nur einem Zähler. Sie braucht aber noch eine Genehmigung der EU.
Für V2G brauchst du laut ADAC ein freigegebenes Auto, eine bidirektionale Wallbox, ein intelligentes Messsystem, einen passenden Stromtarif und eine Anmeldung beim Netzbetreiber. Ein einfacher Zweirichtungszähler reicht nicht aus.
Wie die Stromsteuer bei V2G behandelt wird, ist laut ADAC noch nicht abschließend geklärt.
Neue Regeln für Strom aus dem E-Auto
- 1. Januar 2026E-Autos gelten als Stromspeicher
Durch eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes entfällt die doppelte Belastung mit Netzentgelten.
- 1. Oktober 2026Bundesnetzagentur beschließt MiSpeL
Bidirektionale Ladepunkte sind den Stromspeichern gleichgestellt. Es fallen weniger Netzentgelte und Umlagen an.
- Ende September 2027Übergangszeit endet
Bis dahin müssen Netz- und Messstellenbetreiber die Regeln umsetzen.
Geräte und andere E-Autos versorgen mit V2L
Für V2L brauchst du keine bidirektionale Wallbox. Je nach Modell gibt es im Innenraum eine 230-Volt-Steckdose oder einen Adapter, den du in den Typ-2-Ladeanschluss steckst.
Ob der Adapter dabei ist, hängt von Modell und Ausstattung ab. Manchmal gehört er zum Lieferumfang, manchmal gibt es ihn nur als Zubehör.
Volkswagen, Hyundai und Kia geben für V2L eine Leistung von bis zu 3,6 kW an.
Ein anderes E-Auto kannst du nur laden, wenn der Hersteller das vorsieht. Kia beschreibt das für den EV9: Über ein Ladekabel mit In-Kabel-Kontrollbox kannst du an der Steckdose ein anderes Elektroauto laden. Fällt der Akku des EV9 unter 20 Prozent, bricht der Ladevorgang automatisch ab.
So gehst du vor
- Frag beim Hersteller nach, ob dein Auto für V2L, V2H oder V2G freigegeben ist und welche Software es dafür braucht.
- Nimm für V2H oder V2G nur eine Wallbox, die dein Fahrzeughersteller als kompatibel freigibt.
- Für V2G: Kümmere dich um ein intelligentes Messsystem und melde die Anlage beim Netzbetreiber an.
- Frag beim Hersteller nach, wie häufiges Entladen die Batteriegarantie beeinflusst. Bei Volkswagen hängt das zum Beispiel von der Batteriegröße ab.
Fachquellen (9)
- ADAC: Bidirektionales Laden: E-Auto wird zum Stromspeicher fürs Haus (2025)
- ADAC: Geld verdienen mit dem E-Auto (2026)
- ADAC: Bidirektionale Wallbox: Welche Modelle es gibt und was sie können (2026)
- Bundesnetzagentur: Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) (2026)
- Volkswagen: Bidirektionales Laden (2026)
- Hyundai: Bidirektionales Laden (2026)
- Kia Österreich: Pressemappe Kia EV9 (2026)
- Hyundai: Elektro-Zubehör (2026)
- ADAC: Bidirektionales Laden mit passender Wallbox (2026)
Quellen und redaktionelle Prüfung
Verantwortlich für die Inhalte ist Maik Blume, Ladechef. Wir gleichen Aussagen mit den verlinkten Quellen ab. Auswahlhilfen ordnen deine Antworten ein; sie ersetzen keine individuelle technische Prüfung. Preisangaben stammen aus unserer Tarifdatenbank, ihr Stand ist gesondert angegeben.